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Das geistliche Wort im September

Am 25. September 2022 findet in der katholischen Kirche der Welttag der Migranten und Flüchtlinge statt. Papst Benedikt XV. hat ihn 1914 ausgerufen. Weltweit sind Millionen von Menschen unterwegs. Sie fliehen vor Krieg, Hunger und Klimaveränderungen, oder wurden vertrieben oder verschleppt.
Datum:
1. Sept. 2022
Von:
Michael Röring, Pfarrer

Wegen des Krieges in der Ukraine suchen viele in den anderen europäischen Ländern Zuflucht. Auf der anderen Seite sollen Flüchtlinge aus außereuropäischen Ländern abgeschreckt werden, nach Europa zu flüchten. Das ist aber mit den Werten des christlichen Abendlandes nicht zu vereinbaren. Trotz staatlicher Widerstände versuchen Christinnen und Christen den Flüchtlingen entsprechend des Werkes der Barmherzigkeit zu helfen, so wie sie es bei den Ukraineflüchtlingen getan haben.

Ich möchte daran erinnern, dass viele unter uns nach dem Krieg auch Flüchtlinge waren, die hier nicht willkommen waren. Das Kölner Wort „Pimock“ erinnert an die Flüchtlinge aus Schlesien, Ostpreußen, dem Sudetenland, die so von den Einheimischen bezeichnet wurden. Die Bibel mahnt deutlich: Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der HERR, euer Gott. (Lev 19,33-34)

Mit den Migranten und Flüchtlingen die Zukunft gestalten, haben wir in Deutschland nach dem Weltkrieg durch Integration geschafft. Der Ökumene hat es einen Schub gebracht. Wir haben gesehen, dass der Beitrag von Migranten und Flüchtlingen für das soziale und wirtschaftliche Wachstum unserer Gesellschaften von grundlegender Bedeutung war. Der Beitrag, den sie leisten, könnte jedoch noch viel größer sein, wenn er wertgeschätzt und durch gezielte Programme unterstützt würde. Es geht um ein enormes Potenzial, das bereit ist, sich zu entfalten, wenn man ihm nur die Chance dazu gibt. Die Anwesenheit von Migranten und Flüchtlingen stellt eine große Herausforderung dar, aber sie beinhaltet auch eine Gelegenheit für alle, kulturell und spirituell zu wachsen. Dank der Migranten und  Flüchtlinge haben wir die Möglichkeit, die Welt und die Schönheit ihrer vielfältigen Reichtümer besser kennenzulernen. Wir können in der Menschlichkeit reifen und gemeinsam ein größeres „Wir“ aufbauen.