Die Geschichte von St. Antonius ist eng mit der Geschichte Wickraths selbst verbunden. Wer heute auf die Kirche blickt, sieht einen Ort, an dem seit über tausend Jahren gebetet, gefeiert und gelebt wird.
Bereits im Jahr 971 wird an dieser Stelle eine Kirche erwähnt. Damit gehört St. Antonius zu den ältesten christlichen Orten der Region.
Damals war Wickrath noch eine kleine Siedlung, geprägt von Landwirtschaft, einfachen Höfen und den Wegen entlang der Niers. Die Kirche bildete schon früh den geistlichen Mittelpunkt des Ortes.
1205 wurde eine romanische Kirche geweiht. Von diesem Bauwerk sind heute zwar nur noch wenige Spuren erhalten, doch über Jahrhunderte hinweg prägte die Kirche das Ortsbild und das religiöse Leben der Menschen. Mit dem Wachstum Wickraths wurde auch die Kirche immer wieder erweitert und verändert.
Besonders prägend für Wickrath war die Nähe zum Kreuzherrenkloster. Über viele Generationen hinweg wirkten hier Ordensleute, die das geistliche Leben des Ortes mitbestimmten. Die Verbindung zwischen Kirche, Kloster und Bevölkerung war eng – Glauben gehörte selbstverständlich zum Alltag der Menschen.
Doch die Geschichte der Gemeinde verlief nicht immer ruhig.
Im Zuge der Reformation wechselte Wickrath zeitweise zum Protestantismus. Während die Pfarrkirche evangelisch wurde, blieb die Klosterkirche katholisch.
Diese Zeit war von Spannungen, politischen Veränderungen und religiösen Umbrüchen geprägt. Trotzdem blieb der christliche Glaube für viele Menschen ein wichtiger Halt.
Auch die französische Besatzungszeit brachte große Veränderungen mit sich. Das Kloster wurde aufgehoben, Besitzverhältnisse änderten sich und kirchliche Strukturen wurden neu geordnet. Dennoch blieb die Kirche Mittelpunkt des Ortes – ein Ort, an dem Menschen Taufe, Hochzeit, Abschied und Hoffnung miteinander verbanden.
Besonders tief eingebrannt hat sich der 26. Februar 1945 in das Gedächtnis der Gemeinde.
Bei einem schweren Bombenangriff auf Wickrath wurde die Kirche nahezu vollständig zerstört. Viele Menschen verloren damals nicht nur Häuser und Angehörige, sondern auch ihren vertrauten geistlichen Mittelpunkt. Zwischen Trümmern und den Folgen des Krieges stand plötzlich die Frage im Raum, wie es weitergehen sollte.
Und doch begann die Gemeinde neu.
Mit großem Einsatz und viel persönlichem Engagement wurde in den Jahren nach dem Krieg der Wiederaufbau vorbereitet. 1954 erfolgte die Grundsteinlegung für die heutige Kirche.
Die neue Kirche sollte bewusst kein bloßer Nachbau des Zerstörten werden, sondern ein Zeichen des Aufbruchs und der Hoffnung.
1956 wurde die heutige Kirche St. Antonius feierlich geweiht.
Ihre moderne Architektur unterschied sich deutlich von früheren Kirchenbauten – und doch knüpft sie bis heute an die jahrhundertelange Geschichte dieses Ortes an.
Viele Erinnerungsstücke aus der alten Kirche fanden ihren Platz im Neubau. Besonders die Figur des „Guten Hirten“ verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise. Sie hat Kriegszerstörung, Wiederaufbau und den Wandel der Zeiten überdauert.
Auch heute schreibt St. Antonius seine Geschichte weiter. Seit Ende 2025 ist die Kirche vorübergehend geschlossen, weil sie für die Zukunft umgebaut und weiterentwickelt wird. Die Gemeinde musste ihren vertrauten Kirchenraum deshalb zunächst verlassen und weicht derzeit auf andere Gottesdienstorte aus. Doch die Schließung ist kein Abschied – sondern ein Aufbruch.
Wie schon nach den Zerstörungen des Krieges geht es auch heute darum, Kirche für kommende Generationen lebendig zu halten und Räume zu schaffen, in denen Menschen Glauben, Gemeinschaft und Heimat erleben können. Viele verbinden mit dem Umbau die Hoffnung, dass St. Antonius auch in Zukunft ein offener und lebendiger Mittelpunkt Wickraths bleibt.
So erzählt St. Antonius bis heute nicht nur von Steinen und Mauern, sondern vor allem von den Menschen, die hier geglaubt, gehofft und gelebt haben.
Und vielleicht ist genau das das Besondere an diesem Ort:
Dass man spürt, wie Geschichte und Gegenwart hier miteinander verbunden sind – und dass die Geschichte noch lange nicht zu Ende ist.